2/3 der KMUs unsichtbar in den digitalen Kanälen

Die große Angst der Mittelständler vor Facebook und Co. wurde aktuell in einer Studie der Gelben Seiten belegt. Die Wichtigkeit der sozialen Medien für die Unternehmenskommunikation und die Kundenbindung haben große Unternehmen allerdings schon länger verstanden. Sie haben die digitalen Kanäle erfolgreich in das Tagesgeschäft integriert und wenden immer größere Budgets auf, um nachhaltig Kunden zu binden und sich relevant in den Alltag ihrer Zielgruppen zu integrieren.

Die Erwartungshaltung hat sich verändert

Eine im Auftrag von Gelbe Seiten durchgeführte repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey hat ergeben, dass die Aktivitäten kleiner und mittelständischer Betriebe (KMU) auf diesen Plattformen von 33,3 Prozent der Verbraucher als gering wahrgenommen und von 7,6 Prozent als nicht vorhanden bewertet werden. Nur 18,5 Prozent der Befragten stufen die Präsenz von KMU in den sozialen Netzwerken als stark ein.

Ein weiteres interessantes Ergebnis ist die Erwartungshaltung der Nutzer. Nachgefragt werden bei KMU vor allem grundlegende Informationen, die Orientierung bieten und über aktuelle Besonderheiten aufklären. So wünscht sich jeder zweite Verbraucher Details zu bestehenden Angeboten und Produkten sowie eine Veröffentlichung der geltenden Öffnungszeiten in den sozialen Netzwerken. Außerdem möchten Verbraucher Updates zu neuen Produkten und Services erhalten. Besondere Rabattaktionen interessieren gut ein Drittel der Befragten, während nur ein kleiner Teil über Zusatzangebote wie Gratiszugaben informiert werden will. Gewinnspiele und Mitmachaktionen sind kaum noch relevant. Daraus ergeben sich klare Handlungsanweisungen für die deutschen KMU und das Ergebnis zeigt auf, dass die alten „Allzweckwaffen” wie Gewinnspiele deutlich an Relevanz verloren haben.

INfografik Gelbe Seiten

Angst vor Veränderung

Die Studie hat außerdem erhoben, was die Gründe der KMU für die Abstinenz in den sozialen Medien sind. Gut 70 Prozent der Unternehmen ohne Social-Media-Aktivitäten argumentieren, dass ihnen reichen herkömmliche Werbeformen ausreichen. Das mag für den Moment stimmen, dennoch ignoriert diese Einschätzung die eindeutigen Trends. Denn die klassischen Werbeformen verlieren bereits stark an Relevanz und es findet eine Verschiebung in die digitalen Kanäle statt. Die Erwartungshaltung der Kunden hat sich verändert, Inhalte mit Mehrwert und eine direkte Interaktion mit dem Unternehmen werden klar gegenüber linearer Werbung priorisiert. Die Altersgruppe, bei der dieser Wunsch besonders ausgeprägt ist, liegt zwar jetzt zwischen 18 und 34 Jahren. Schaut man aber 10 Jahre in die Zukunft, sind diese Menschen zu relevanten Entscheidern geworden, was die Notwendigkeit noch verstärkt, kommunikativ auf sie einzugehen. Verschläft ein Unternehmen diesen Trend, verpasst es die Chance, nachhaltige Beziehungen zu den Kunden zu etablieren und wird zunehmend unattraktiver. Hinzu kommt, dass vielen dieser Unternehmen nicht bewusst ist, dass messbare Erfolge mit dem gleichen oder sogar geringeren budgetären Einsatz zu erreichen sind.

41 Prozent der abstinenten Unternehmen gaben an, sie hätten keine personellen Kapazitäten für die Bespielung der Kanäle. Auch hier zeigt sich das mangelnde Verständnis für die Nutzung sozialer Medien, denn der Aufbau der eigenen Kanäle braucht nicht vor allem Masse, sondern Kontinuität. Mit gezielten Maßnahmen und einer guten Planung lässt sich der zeitliche Aufwand minimieren und sichert dennoch einen kompetitiven Vorteil.

58 Prozent sehen in der Nutzung der elektronischen Plattformen keine Vorteile für ihre Firma und übersehen dabei, das in den sozialen Medien aktive Unternehmen nicht nur ihre bestehenden Kunden nachhaltig binden sondern auch erfolgreich Neugeschäft generieren. Gerade in Zeiten der Pandemie konnte die konsequente digitale Präsenz der aktiven Unternehmen einen relevanten Beitrag zum Geschäftserfolg leisten. Und das ist unabhängig von der Unternehmensgröße und Branche, denn der Friseur von nebenan kann ohne Sichtbarkeit in den sozialen Medien genauso Kunden verlieren wie der große Mittelständler.

Fazit:

Die Tatsache, dass 2/3 der KMUs in Deutschland digital quasi unsichtbar sind, eröffnet eine große Chance für Unternehmen, die jetzt beginnen, Präsenz in den sozialen Medien zu zeigen. Denn durch die Erschließung dieser Informations- und Betreuungskanäle hebt man sich deutlich von der Konkurrenz ab und überzeugt gerade die Kunden, die mit der mangelnden digitalen Präsenz unzufrieden sind. Unternehmen, die jetzt eine digitale Kompetenz etablieren, haben unmittelbar und vor allem mittel- und langfristig einen klaren Wettbewerbsvorteil.







Quellen:

https://www.gelbeseiten.de/gsservice/Newsroom/Pressemitteilungen/Pressemeldungen-national/Verbraucherbefragung-Kleine-und-mittelstaendische-Betriebe-werden-in-sozialen-Netzwerken-kaum-wahrgenommen

https://www.gelbeseiten.de/gsservice/Newsroom/Pressemitteilungen/Pressemeldungen-national/Die-grosse-Angst-vor-Facebook-und-Co